Kompass Nierenkrebs
Menü

Krankheitsbild

Die meisten Menschen besitzen zwei Nieren. Diese sind für die Reinigung des Körpers zuständig. Sie produzieren Urin (Harn), über den Giftstoffe und verschiedene Stoffwechselprodukte ausgeschieden werden. Zudem regulieren die Nieren den Blutdruck und den Flüssigkeitshaushalt des Körpers. Auch werden in den bohnenförmigen Organen Hormone zur Blutdruckregulation und Blutbildung produziert.

Kommt es zu einem unkontrollierten Zellwachstum in der Niere, wird dies als Nierenkrebs bezeichnet.1 Die häufigste Unterform mit circa 80-90 % der Fälle ist das sogenannte Nierenzellkarzinom, das durch veränderte Zellen der Harnkanälchen (Tubulussystem) entsteht.1

Niere

Durch die Analyse der Gewebestruktur (histologischer Befund) kann auch das Nierenzellkarzinom in weitere Untergruppen eingeordnet werden:

  • klarzelliges Nierenzellkarzinom
  • papilläres Nierenzellkarzinom
  • chromophobes Nierenzellkarzinom
  • weitere sehr seltene Formen: Sammelzellkarzinom, medulläres Nierenzellkarzinom

Die klarzellige Form ist mit rund 80 % die am häufigsten vorkommende Untergruppe.1,2

Arzt_Patient_TNM_Klassifikation

Klassifikation

Für die Erstellung eines Behandlungsplanes ist es wichtig, die Art des Tumors, das Erkrankungsstadium und die Risikoprognose genau zu bestimmen. Dazu wird u.a. die so genannte „TNM-Klassifikation“ genutzt. Dabei stehen die Buchstaben T für „Tumor“, N für „Lymphknoten“ und M für „Metastasen“, die zusammen zur Bestimmung des Tumorstadiums herangezogen werden. Zu jeder der drei Kategorien gibt es wiederum Unterkategorien, um den Tumorbefall genau bestimmen zu können.

Die Angaben von T1 bis T4 beschreiben die Größe und Ausdehnung des Tumors. Mit der Bezeichnung N0 bis N3 wird die Anzahl betroffener Lymphknoten bezeichnet. Ob Metastasen vorhanden sind, wird mit der Einordnung in M0 (keine Metastasen) oder M1 (Metastasen) definiert.3

Die Klassifikation eines Nierenzellkarzinoms mit T1 N0 M0 bedeutet also beispielsweise: der Tumor ist höchstens 7 cm groß und ist ausschließlich auf die Niere begrenzt. Es sind keine Lymphknoten befallen und keine Metastasen vorhanden.3,4 Mit Hilfe dieser Angaben kann der Nierenkrebs-Experte entscheiden, welche Behandlung für diesen Tumor am besten geeignet ist.

Niere_Haeufigkeit

Häufigkeit

Nierenkrebs macht etwa 3 % aller Tumoren aus und ist daher relativ selten. Im Vergleich mit anderen urologischen Krebserkrankungen steht Nierenkrebs an dritter Stelle, hinter Prostata- und Blasenkrebs.5

Insgesamt erkranken in Deutschland jährlich rund 15.000 Menschen an Nierenkrebs. Die Erkrankung tritt bei Männern häufiger auf, nur circa ein Drittel aller Patienten sind weiblich.6 Im Durchschnitt sind Frauen zum Zeitpunkt der Diagnose 68 Jahre alt, Männer 72 Jahre.7

Die Zahl der Neuerkrankungen ist in den letzten Jahren unverändert. Durch verbesserte diagnostische Verfahren, wie Ultraschalluntersuchungen, Computer- und Kernspintomografie werden Tumoren heute häufig zufällig entdeckt. Derzeit wird die Erkrankung bei drei Viertel der Betroffenen in einem frühen Stadium diagnostiziert.6

Ultraschall_Symptome

Symptome

Ein Nierentumor verursacht zu Beginn der Erkrankung nur selten Beschwerden. Daher wird Nierenkrebs häufig zufällig, im Rahmen anderer Untersuchungen, entdeckt.8

Erst im späteren Verlauf können Beschwerden auftreten, die aber auch viele andere Ursachen haben können. Dazu gehören dumpfe Schmerzen im seitlichen Rückenbereich (Flanken) sowie neu aufgetretener Bluthochdruck. Außerdem kann es zu ungewolltem, anhaltendem Gewichtsverlust sowie allgemeinen körperlichen Beschwerden, wie Abgeschlagenheit und Unwohlsein kommen.9,10 Ein eher selteneres Symptom für Nierenkrebs ist Blut im Urin.
Zurzeit gibt es keine Bluttests, die Nierenkrebs nachweisen können. Selten können veränderte Blutwerte auftreten, wie zum Beispiel eine Erhöhung der Leberwerte oder des Kalziumgehaltes (Hypercalcämie).8,9,10

Weiterführende Informationen

Quellen
1
Universitätsklinik Ulm. http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/zentren/cccu/home/fuer-patienten-und-angehoerige/krebsbehandlung/krebs-spezifisch/nierenzellkarzinom.html#c51648
2
Zigeuner, R. et al., 2016. Nierenparaenchymtumoren. In: M.S. Michel et al., (Herausgeber): Die Urologie. S. 327-346. Heidelberg: Springer.
3
Kirchner H. H. et al., 2013. Nierenzellkarzinom (Hypernephrom). Verfügbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/nierenzellkarzinom-hypernephrom/@@view/html/index.html
4
Universitätsklinik Ulm. http://www.uniklinik-ulm.de/struktur/zentren/cccu/home/fuer-patienten-und-angehoerige/krebsbehandlung/krebs-spezifisch/nierenzellkarzinom.html#c51648
5
Robert Koch-Institut. 2013. Krebs in Deutschland 2009/2010. Berlin: Robert Koch-Institut und Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland e.V.
6
Robert Koch-Institut. 2016. Krebsgeschehen in Deutschland 2016. Berlin: Robert Koch-Institut.
7
Robert Koch-Institut. 2015. Krebs in Deutschland 2015. Berlin: Robert Koch-Institut.
8
Deutscher Verlag für Gesundheitsinformation. Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom). Verfügbar unter: https://www.oncology-guide.com/erkrankung/nierenkrebs/#symptome-von-nierenkrebs-nierenzellkarzinom
9
Hofmann et al. 2012. Ultraschall in der Urologie. Berlin und Heidelberg: Springer.
10
Capitanio, Umberto et al. : renal Cancer. The Lancet , Volume 387 , Issue 10021 , 894 - 906