Mit der richtigen Einordnung zur passenden Therapie

Für die Erstellung eines Therapieplans spielen neben der Art des Tumors noch weitere Aspekte eine entscheidende Rolle. Hierzu gehört unter anderem das Erkrankungsstadium, anhand dessen die Risikoprognose näher bestimmt werden kann.

Erkrankungsstadium bestimmen

Um das Stadium der Nierenkrebs-Erkrankung näher bestimmen zu können, wird am häufigsten die sogenannte „TNM-Klassifikation“ der „American Joint Committee on Cancer“ (AJCC) genutzt.1 Dabei stehen die Buchstaben T für „Tumor“, N für „Lymphknoten“ und M für „Metastasen“. Anhand der Bewertung dieser drei Parameter kann das Behandlungsteam das Stadium der Tumorerkrankung bestimmen. Jede dieser drei Kategorien enthält wiederum Unterkategorien, um den Tumorbefall und die Ausdehnung der Erkrankung noch genauer bestimmen zu können.

 

T wie Tumor: Die Angaben von T0 bis T4 beschreiben die Größe und Ausdehnung des Tumors, von T0 (kein Primärtumor nachweisbar), T1 (kleinste bzw. geringste Ausbreitung des Tumors) bis T4 (größte bzw. weiteste Ausbreitung des Tumors).

 

N wie nodes, aus dem Englischen für Lymphknoten: Die Anzahl befallener Lymphknoten wird mittels der Angaben N0 bis N2 festgehalten. N0 bedeutet hierbei, dass in den umliegenden Lymphknoten rund um die befallene Niere keine Krebszellen gefunden werden konnten. N1 und N2 geben den zunehmenden Befall von Lymphknoten in Tumornähe an.

 

M wie Metastasen: Durch die Einordnung in M0 (keine Metastasen) oder M1 (Metastasen vorhanden) kann beschrieben werden, ob der Krebs bereits gestreut, das heißt, sich auf andere Bereiche des Körpers außerhalb der Niere ausgebreitet hat.2

TNM für Nierenzellkarzinome1,3

Die TNM-Klassifikation nach dem AJCC-System für Nierenzellkarzinome gliedert sich seit 2018 folgendermaßen:

 

T0: Kein Primärtumor nachweisbar

T1: Tumor bis 7 cm in größter Ausdehnung, begrenzt auf die Niere

T1a: Tumor bis 4 cm, begrenzt auf die Niere

T1b: Tumor mehr als 4 cm, aber maximal 7 cm, begrenzt auf die Niere

T2: Tumor über 7 cm groß, begrenzt auf die Niere

T3: Befall größerer Venen oder des perinephritischen Gewebes, nicht über die Gerota-Faszie (Bindegewebshaut) hinausreichend

T3a: Tumor dringt in Nierenvene oder Nierensinusfett ein, aber nicht in Gerota-Faszie

T3b: Tumorausbreitung in Hohlvene Vena cava unterhalb des Zwerchfells

T3c: Tumorausdehnung in Hohlvene Vena cava oberhalb des Zwerchfells

T4: Tumorausdehnung über Gerota-Faszie hinaus und in ipsilaterale Nebenniere

TX: Primärtumor kann nicht beurteilt werden

 

N0: Keine Lymphknotenmetastasen nachweisbar

N1: Metastase in einem benachbarten Lymphknoten

N2: Metastasen in mehr als einem benachbarten Lymphknoten

NX: Benachbarte (regionäre) Lymphknoten sind nicht beurteilbar

 

M0: Keine Fernmetastasen nachweisbar

M1: Nachweis von Fernmetastasen, am häufigsten in der Lunge, im Skelett und in den Lymphknoten, eher selten im Gehirn und in der Leber

MX: Vorliegen von Fernmetastasen kann nicht beurteilt werden

 

Erst nach der Tumoroperation kann eine abschließende Beurteilung des TNM-Stadiums vorgenommen werden.

TNM-Klassifikation anhand eines Beispiels

Die Klassifikation eines Nierenzellkarzinoms mit T1 N0 M0 bedeutet also beispielsweise: der Tumor ist höchstens 7 cm groß und ist ausschließlich auf die Niere begrenzt. Es sind keine Lymphknoten befallen und keine Metastasen vorhanden.2,4,5

 

Mit Hilfe dieser TMN-Angaben kann das Behandlungsteam entscheiden, welche Therapie für die individuelle Nierenkrebserkrankung am besten geeignet ist.

 

  1. American Cancer Society. Kidney Cancer. https://www.cancer.org/cancer/kidney-cancer.html. Last Revised: January 29, 2021.
  2. Bergmann L. et al., März 2019. Nierenzellkarzinom (Hypernephrom). Verfügbar unter: https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/nierenzellkarzinom-hypernephrom/@@guideline/html/index.html.
  3. Cancer.net, ärztlich genehmigte Patienteninformationen der American Society of Clinical Oncology (ASCO). https://www.cancer.net/cancer-types/kidney-cancer/symptoms-and-signs.
  4. Universitätsklinik Ulm. https://www.uniklinik-ulm.de/urologie-und-kinderurologie/urologische-onkologie/nierenzellkarzinom.html.
  5. Zigeuner, R. et al., 2016. Nierenparaenchymtumoren. In: M.S. Michel et al., (Herausgeber): Die Urologie. S. 327-346. Heidelberg: Springer.

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